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Bierwürze, Schlafmittel und Fassadengrün PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 26. März 2009 um 19:19 Uhr

Der Hopfen war "Arnzeipflanze des Jahres 2007"

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg hat den Hopfen zur Arzneipflanze des Jahres 2007 gewählt. Damit wird eine Kulturpflanze gewürdigt, deren Nutzung sich nicht nur auf das Brauereiwesen beschränkt: Extrakte aus den Hopfenzapfen - das sind die zwei bis vier Zentimeter langen, grünlich-gelben weiblichen Fruchtstände - bilden heute in Kombination mit der Baldrianwurzel auch die häufigste Darreichungsform pflanzlicher Schlaf- und Beruhigungsmittel.

Im Bier sorgt der Hopfen für den würzigen Geschmack und auch für den Schaum und bessere Haltbarkeit. Deutschland verfügt - vor allem in Franken - über die größten Bierhopfenanbaugebiete der Welt. Hopfen kann zudem als Faserpflanze und zur Hausbegrünung verwendet werden. Die jungen Sprosse eignen sich als Wildgemüse.

Der Hopfen ist ursprünglich eine wild wachsende heimische Kletterpflanze, die in den gemäßigten Zonen der gesamten Nordhalbkugel gedeiht. Er kommt auch heute bei uns noch recht häufig vor, vor allem in Auwäldern. Immer rechts herum windend erreicht der Hopfen eine Höhe von sechs bis zehn Metern. Die wissenschaftlich als Humulus lupulus bezeichnete Art ist zweihäusig, es gibt also rein weibliche und rein männliche Pflanzen.


Gemessen an der Tatsache, dass die meisten europäischen Arzneipflanzen bereits seit mehr als 2000 Jahren in Gebrauch sind, kann der Hopfen als eine verhältnismäßig junge Arzneipflanze bezeichnet werden. Die antike Medizin hat ihn jedenfalls nicht verwendet. In der frühmittelalterlichen Klosterkultur gab es zwar bereits Hopfengärten, aber die Mönche und Nonnen nutzten das Rankengewächs nicht medizinisch, sondern zur Konservierung von Getränken. Das gehopfte Bier ist also eine Erfindung der Mönche.

Im Hochmittelalter waren die arabischen Ärzte ihren europäischen Kollegen weit voraus. Der wichtigste Autor auf dem Gebiet der Botanik und Pharmazie in der arabischen Welt war der in Spanien lebende Abdullah Ibn al-Baytar (1197-1248). Schon er schrieb von der schlaffördernden Wirkung des Hopfens, die heute wissenschaftlich anerkannt ist. Aber auch Hildegard von Bingen und Albertus Magnus deuten an, dass der Hopfen müde macht: Die Äbtissin meinte, er erzeuge "Melancholie", und der gelehrte Regensburger Bischof schrieb, dass Hopfen einen schweren Kopf mache.

Aber dieses Wissen ging später weitgehend verloren. So blieb es dem ausgehenden 18. Jahrhundert vorbehalten, die schlaffördernde Wirkung von Humulus lupulus wieder zu entdecken. Hier spielte unter anderem der englische König Georg III. (1738-1820) eine Rolle. Dieser wurde zeitlebens von schweren gesundheitlichen Problemen geplagt. Zumindest seine Schlafstörung soll aber durch die Verwendung von Hopfenkissen gemildert worden sein.

Auch die Ärzte entdeckten den Hopfen als Schlafmittel wieder: Für Christof Wilhelm Hufeland (1762-1836), einer der bedeutendsten Mediziner seiner Zeit, ist der Hopfen ein Bittermittel für die Verdauung und ein Nervenmittel zur Beruhigung. Dem folgt der ebenfalls sehr berühmte Clarus, der 1864 in seinem "Handbuch der speziellen Arzneimittel" den Hopfen gegen Appetitlosigkeit bei Magenkatarrhen, für die Magenschleimhaut und bei Schlaflosigkeit empfiehlt.

Im 20. Jahrhundert etablierte sich der Hopfen dann als pflanzliches Beruhigungsmittel, vor allem in Verbindung mit der Baldrianwurzel. "Klinische Prüfungen der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass diese Kombination in der Behandlung von Unruhezuständen und Einschlafstörungen sinnvoll ist", so der Würzburger Studienkreis.

(Text: www.nabu.de)